Rialto Venedig

San Polo, der kleinste und am höchsten gelegene Stadtteil Venedigs mit der Hausnummer 1, war die Herzkammer der Macht der Serenissima.

Im Sestiere San Polo, dem mit 34 ha kleinsten und ältesten Stadtteil Venedigs liegt in einer großen Schleife des Canal Grande die Rialto-Brücke. Der Name leitet sich ab von Rivo alto (oder lat. rivus altus). Dieser Teil der Stadt liegt höher als die anderen Sestieri und ist daher besser gegen Hochwasser geschützt.

Der östliche Teil des Rialto besteht aus einer bunten Mischung alter Häuser und Palazzi, Marktplätzen, kleinen Campi, Läden und Geschäften, während der westlich des Rio San Polo gelegene Teil mit imposanten Sakralbauten auftrumpft wie z.B. der Kirche San Rocco, der Scuola San Rocco, der Kirche Santa Maria Gloriosa dei Frari, Scuola dei Calegheri und der Kirche San Polo, nur um einige zu nennen.

von der Pontonbrücke zur Ikone

Nachdem 810 der Doge seine Residenz von Malamocco nach Rialto verlegt hatte, konzentrierte sich für das folgende Jahrtausend die politische und kaufmännische Macht Venedigs in San Polo. Hier liegt übrigens auch das Haus mit der Hausnummer 1, der Corte dei Conti.
1097 erfolgte die Verlegung des großen Marktes hierher und Boote bildeten eine schwimmende Brücke über den Canal. Diese Brücke wurde zwischen 1200 und 1260 durch eine Holzbrücke ersetzt. Nachdem man sie nach einer Brandstiftung wieder aufgebaut hatte, brach sie 1444 unter dem Gewicht einer großen Menge Schaulustiger anlässlich der Hochzeit des Herzogs von Ferrara zusammen.
Die folgende dritte Brücke, ein Meisterwerk der Zimmermannskunst mit zwei beweglichen Teilen in der Mitte, damit Schiffe mit hohen Masten passieren konnten, hat Caravaggio auf seinem Wunder der Kreuzreliquie verewigt.

Um 1524 war die Rialtobrücke in so schlechten Zustand, dass man sich zum Bau einer Steinbrücke entschloss. An der Ausschreibung nahmen unter anderem Palladio, Sansovino, Scamozzi und Michelangelo teil. Den Zuschlag erhielt 1588 schließlich der Architekt Antonio da Ponte.

Die Konstruktion der Brücke erforderte perfekte Berechnung angesichts der Instabilität des Grundes und der geforderten Höhe von 7,5 Metern und Länge des Brückenbogens von 48 Metern, damit Galeeren passieren konnten. Da Ponte entwarf eine einbogige Lösung aus istrischem Marmor. Sie ruht auf jeweils 6.000 Eichenpfählen, die in den schlammigen Boden getrieben wurden.
Über den mächtigen Bogen führen drei Fußgängerwege, die durch zwei Reihen von Läden getrennt werden. In diesen winzigen Geschäften werden vor allem Schmuck, Lederwaren und Souvenirs, Kitsch, angeboten.Von der oberen Brückenplattform am äußeren Fußweg hat man einen phantastischen Blick auf das geschäftige Treiben auf dem Canal Grande und dessen Ufern.

Bis zum Bau der Accademia- Brücke 1854 war die Rialto-Brücke hunderte Jahre lang die einzige Verbindung über den Canal Grande.

Am Rialto konzentrierten sich zw. dem 13. und 15. Jh. die wichtigsten Gebäude des Wirtschaftslebens: an den Kais löschten die Fernhändler ihre Waren, die größten Bank- und Handelshäuser hatten ihren Sitz, Versicherungen für die Schifffahrt, Werkstätten und Läden mit Luxusgütern siedelten sich dort an.

Das angrenzende Fondaco dei Tedeschi war lange Zeit das Hauptpostamt von Venedig, bis es 2011 von der Benetton Group übernommen wurde, die ein Luxuskaufhaus daraus machten. Das mag man bedauern, doch hierdurch wurde das Dach des Fondaco öffentlich zugänglich, wodurch man nun die Rialtobrücke aus einer bislang unbekannten Perspektive betrachten kann.

Es lag im Interesse der Serenissima ein Drehkreuz zwischen Orient und Okzident zu werden. Man betrieb eine fremdenfreundliche Politik mit einer toleranten Gesetzgebung. Jeder Händler konnte hier leben, solange er seine Steuern pünktlich bezahlte. So richtete man auch im Laufe der Jahre hier verschiedene Ämter ein, wie die Steuerverwaltung, sowie die mit der Aufsicht der Zünfte betrauten Magistraturen.

El Gobo di Rialto

Zeitloses Dokument der Steuerlast

Der Gobo di Rialto (der Bucklige von Rialto) ist die kleine Figur eines knienden Mannes (von 1541), der ein Treppenstück stützt. Und zudem ein Dokument zeitloser Aktualität, denn die Venezianer sahen in ihm ein Symbol der Steuerbürde, die auf ihnen lastete.

Daneben eine Säule aus rosafarbenen Granit - die Pietra del Bando, auf der die Dekrete der Republik verkündet wurden.

Wochenmarkt

Rialto

Heute noch findet in Rialto der zentrale Markt Venedigs statt. Frühmorgens kommen die Einheimischen zum Einkaufen, bald abgelöst von den Touristen und Souvenirhändler übernehmen das geschäftige Treiben. (Markt tägl. außer sonntags, Fischmarkt in der Pescheria nur Di. bis Sa. von 5.00-11.00 Uhr).

Hier finden Sie eine Übersicht der Wochenmärkte in Venedig.


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